Das Komitee
Zwischenbericht Tschechien 2005/06

- Ich mit einer Freundin und einer Betreuerin
Hallihallo,
Mein Name ist Franziska Hoefflin und ich bin gerade als Stipendiatin des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds in (ratet malJ) Tschechien..! Jetzt rueckt die erste Haelfte meines Jahres dem Ende zu und ich sollte so langsam mal berichten, wie es mir geht und was ich so mache..
Aber wo anfangen?? Vielleicht vor etwa einem Jahr? Da habe ich naemlich mit viel Spannung all die Berichte der Awayees und Returnees gelesen und mich schon so sehr darauf gefreut, selbst schreiben zu koennen.. Jetzt sieht das alles ein bisschen anders aus..Ich bin selbst Awayee und habe ziemliche Probleme mit diesem Bericht..Warum? Das ist ganz einfach! Weil ich auf 2 Seiten Papier nie im Leben dieses wunderbare Land, Leben und Leute beschreiben kann!
Vielleicht sollte ich ?mit der Tuer ins Haus fallen? und gleich den Schluss ziehen: ?Ich lebe im Paradies!?, oder OK, ich beginne von vorne? Zu jedem Ziel fuehrt ja bekanntlich ein langer Weg?
?Vorne? das ist jetzt fuer mich einfach mal der 19.August 2005. Der Tag meines Abfluges. Ich koennte jetzt sagen, meine Gefuehle seien gemischt gewesen, so wie das viele vor mir getan haben, aber ich muss zugeben, ich habe mich hauptsaechlich gefreut. Realaisiert habe ich noch garnichts. Klar, von Returnees habe ich schon von Heimweh und schlechten Zeiten gehoert, aber darauf war ich ja vorbereitet, dachte ich..
Nun gut, ich will ein bisschen was ueberspringen und gleich zur ersten Woche in Tschechien kommen. Da fand naemlich das LOC-Late Orientation Camp statt und ich denke, jeder einzelne der Anwesenden (das waren 31 Austauschschueler aus der ganzen Welt und ein paar Betreuer J) kann sagen, dass dieses Camp einfach nur super war! Neben der tschechischen Kultur und Sprache, konnten wir auch den AFS Tschechien und vorallem viele Freunde von ueberall her kennenlernen. Thailand. Klar, habe ich schonmal gehoert. Aber dass thailaendische Maedels so liebe Freundinnen werden koennen, damit habe ich bis vor ein paar Jahren noch nicht gerechnet. 7 schoene Abende, interessante Gespraeche, und haufenweise Erfahrungen haben uns zu dem verbunden, was wir jetzt sind: Der AFS Jahrgang Tschechien 05/06. Eine Gruppe, die immer staerker wird und sich aus den verruecktesten, interessantesten Leuten zuammensetzt, die sich sonst bestimmt nicht getroffen haetten! Danke AFS

- Mit einer Freundin
Irgendwann kam dann dieser eine Samstag? Der, dem alle schon mit Vorfreude, Angst und vorallem Spannung entgegensahen?: Wir sollten von unseren Familien abgeholt werden. Natuerlich wollte niemand der Erste und auch niemand der Letzte sein, naja, ich war dann wohl einer dieser, meine Familie kam fast eine Stunde zu frueh J Von dieser Zeit kann ich nicht so viel berichten, ich war wahnsinnig aufgeregt, alles ist so schnell gegangen und erst im Auto ?nach Hause? habe ich dann festgestellt: Oh, die koennen ja garkein Englisch und ich (fast) kein Tschechisch J Dem zufolge haben wir relativ wenig geredet und ich war gluecklich, in dem kleinen Dorf Naehe Prag anzukommen, das fuer die naechsten 10 Monate mein zu Hause sein sollte.. Die folgende Woche war hart, ich habe das richtige Heimweh kenengelernt, das man selbst erfahren muss, und leider hat es mit mir und der Familie garnicht so gut geklappt, wie ich es mir erhofft hatte.
Angefangen, schoen zu werden, hat es, als der erste Schultag gekommen war. Irgendwann haben wir mal angefangen, wichtige Tage ?Der-Tage? zu nennen, und der erste Tag am Gymnazium Arabská in Prag war wohl wieder so einer.. Wieder Aufregung, wieder die Frage: Wird alles klappen? Werde ich Freunde finden? Vielleicht kann ich das ganze kurzfassen, in dem ich erwahne, dass ich abends, nachdem ich mit 3 Maedels aus meiner Klasse Eisessen war, nicht nach Hause gelaufen, sondern gehuepft bin..??!!!! J Ich habe mit meiner Klasse das riesengrosse Los gezogen, ich habe sie alle so verdammt lieb und bin wahnsinnig dankbar, dort gelandet zu sein. Sie haben mir die schwere Zeit wesentlich leichter gemacht, in dem sie mit mir gesprochen haben, wir ungefaehr 4 mal die Woche nach der Schule etwas unternommen haben und indem sie einfach fuer mich da waren, obwohl wir uns doch erst so kurz kannten. Die Hauptsprache war zunaechst Englisch und mittlerweile sprechen wir nurnoch Tschechisch. Dazu aber spaeter mehr..!
Der naechste Schritt ist einer, der mir garnicht leicht gefallen ist, der kein schoener ist und den ich auch nicht zu lange fassen moechte: Nach 2 Monaten schon habe ich die Familie gewechselt. Aus verschiedenen Gruenden lief es einfach nicht zwischen uns und fuer mich war es die beste Entscheidung, denn was dann folgte, war der Himmel! Durch all die Unterstuetzung von AFS Tschechien und auch Deutschland, Freunden und Bekannten, konnte ich schon nach weniger als einer Woche in eine neue Familie umziehen, Wieder ein Dorf Naehe Prag, Schule konnte ich behalten, zum Glueck. Jetzt war wirklich alles perfekt und dieses Gefuehl haelt sich bis heute an. Ich habe hier wirklich eine 2. Familie, die ich sehr, sehr lieb gewonnen habe. Meine Gasteltern sind schon lange ?Mamka? und ?Tati? und auch meine Gastschwestern Dominica (14) und Klára (18) sind fuer mich nicht nur gute Freundinnen sondern auch ?richtige? gefuehlte Schwestern geworden. Einfacher hat es gemacht, dass Klara 2004/2005 schon ein Jahr in Deutschland war mit dem AFS und hier auch schon ein Maedchen aus Hongkog und eines aus den USA gelebt haben. Ich habe angefangen, abends (bzw. Mittags J) gerne nach Hause zu kommen, kann stundenlange interessante Gespraeche mit meiner Mamka und auch meinen Schwestern fuehren. Es ist ueberhaupt keine ?Barriere? mehr vorhaden.. Eben das Leben wie in einer richtigen Familie..J
Hier bin ich nun also und ich meine den Ausdruck ?Paradies? wirklich ganz ernst. Ich finde einfach keinen Nachteil, den ich hier habe und den ich erwaehnen koennte..Klar ist da manchmal noch das Zwicken, wenn ich an Familie und Freunde in Deutschland denke, aber ich weiss, dass ich in 7 Monaten wieder dort sein wrde und im Moment moechte ich einfach nur mein Leben hier geniessen.

- Ricardo, ein AFS-Freund von mir
Das war er also dieser Weg. Schoen, dass ihr bis hierher durchgehalten habt. Aber stop. Es ist noch nicht vorbei. Ich bin immer am ueberlegen, was ich noch gerne gelesen haette, vor meinem Jahr. Vielleicht schreibe ich einfach noch ein bisschen was ueber meine Erfahrungen UEBER das Land und die Leute.
Fangen wir damit an, was Tschechien fuer mich ist: Ok, ich lebe in Prag und habe auch ein Prager-Gefuehl J, aber es muss auf jeden Fall gesagt werden, dass Tschechien nicht nur Prag ist, wie das viele Touristen sehen. Dieses Land bietet wunderbare Moeglickeiten zum Wandern, Schifahren, Klettern, Schloesser besichtigen (das ist hier ja fast Nationalsport J) und es lohnt sich echt, die vielen kleinen Doerfer und Staedtchen mal zu besuchen. Ich habe bis jetzt leider noch nicht so viel gesehen, was ausserhalb von Boehmen liegt, werde aber meine 2. Jahreshaelfte dafuer auf jeden Fall nutzen!
Die Leute, die ich bisher kennengelernt habe, sind ueberaus freundlich, hilfsbereit und schon so hoeflich, dass man manchmal aufpassen muss, dass es nicht zu hoeflich ist..J Was ich zum Beispiel aus Deutschland nicht kenne, ist, dass man sich (zumindestens hier auf dem Dorf) auch ueber 15 Gartenzaeune ein freundliches ?Dobrý den? zuruft, dass jeder den Busfahrer begruesst und verabschiedet, ja, dass einfach, dass das menschliche Miteinander zu fremderen noch nicht so ganz eingeschlafen ist. Einziges, was fuer mich eine echte Umgewoehnung war, ist, das man normalerweise keine Gesundheit wuenscht,wenn jemand niest.. Das gilt bei mir zu Hause als unhoeflich und fehlt mir echt irgendwie!
OK, was weiter? Vielleicht das Essen J Also sobald man sich daran gewoehnt hat, dass ueberall, wirklich ueberall Kuemmel dran ist (und das ging bei mir ziemlich schnell-ich werde es vermissen!), ist alles echt super! Sowohl meine erste Gastmutter als auch Mamka hier kochen echt super. Was es viel gibt ist Fleich mit den tollen Knoedeln, die nicht rund sind, sondern in Scheiben geschnitten. Zu Weihnachten werden wir den traditionellen Karpfen haben und ansonsten wird zumindest in meiner Familie aehnlich gekocht, wie in Deutschland.
Lecker sind auch die ?Rohliky? und ?Housky?, Hoernchen und Broetchen, die es hier zum Preis von 1 Krone, das heisst 3 cent in allen Variatonen gibt.. Ausser Laugen, das fehlt L
Nun wohl noch die Sprache. Oh Gott, Wenn euch die Betreuer erzaehlen, in 3 Monaten koennte man ohne Vorkenntnisse perfekt sprechen, dann glaubt kein Wort J Tschechisch ist einfach verdammt schwer! Ich habe mir vorher schon ein bisschen die Grundkenntnisse angeeignet und das war sehr sinnvoll, sonst waere ich echt aufgeschmissen gewesen! Ich bin hier jetzt 4 Monate, spreche in der Schule nurnoch Tschechisch und in der Familie so alles moegliche! Aber verstehen tue ich noch lange nicht alles! Und damit bin ich auf keinesfalls ein Einzelfall! ?Hauptsprache? fuer uns Austauschschueler ist noch immer Englisch, nur mit einer Freundin aus Brasilien, und 2 Freunden aus Japan und Deutschland rede ich tschechisch. Das aergert mich ein bisschen! Ich wuerde JEDEM raten, vorher schon so viel wie moeglioch zu lernen und sobald es geht mit dem Sprechen anzufangen! Aber: Lasst euch von der Sprache nicht abschrecken, bitte! Die Tschechen sind so liebe Mensch und ihr findet zu 100 Prozent jemanden, wenn nicht sogar mehrere, die ueber jedes ?ahoj? von euch entzueckt sind und euch ihre Sprache beibringen wollen!!!!
Der AFS Tschechien ist noch jung(etwa 10 Jahre) und vielleicht manchmal ein bisschen verplant, aber supergut, wenn man AFS-Kontakt haben moechte! Einmal im Monat haben wir eine Aktion alle zusammen, sei es ein Tag im Zoo oder ein Wochenende Schifahren. Hinzu kommen die 3 ?Orientation-Camps? an Anfang, Mitte und Ende des Jahres, die jeweils etwa 5-8 Tage dauern. Wir gehen sehr gerne ins Buero, um unsere Betreuer zu besuchen, und auch die fest angestellten, Dadurch, dass das Land sehr klein ist, herrscht eine familiaere Atmosphere und es gefaellt uns sehr gut, mit dem AFS Tschechien. Erstaunlich war auch, dass Klara, die im Buero arbeitet, uns schon mit Namen ansprach, bevor wir ueberhaupt wussten, wer sie ist. Sie hatte halt die Unterlagen bearbeitet und gelernt.. Das gibt einem wirklich das Gefuehl, gut aufgehoben zu sein und das sind wir auf jeden Fall auch!
Am Donnerstag breche ich auf zum Mid-Stay und auch wenn es noch nicht ganz die Mitte ist, zwickt es mir schon ein bisschen im Herzen, wenn ich daran denke, dass das Jahr sich auf die 2. Haelfte zubewegt und damit schon bald auf das Ende. Daran will ich aber heute noch garnicht denken, sondern einfach froh sein, Noch 7 Monate vor mir zu haben. Als ich neulich mit meiner tschechischen Freundin in deren Schule war, um Werbung fuer den AFS zu machen, sagte ein Maedchen, das hoere sich ja toll an, aber ein Jahr sei lang. Das wuneschte ich mir auch, dass ein Jahr lang sei. Aber das ist es nicht fuer mcih. Nichtmehr. Leider.
Ich danke dem AFS und dem Zukunftfond, dass mir dieses wunderbare Jahr ermoeglicht wurde! All die Erfahrungen moechte ich nicht missen-schlechte sowie gute!
Weiter hoffe ich, euch ein bisschen einen Einblick in Tschechien gegeben zu haben, es ist wirklich verdammt schwer, alles aufzuschreiben. Ich weiss, dass es nicht viele Menschen gibt, die sich fuer Tschechien interessieren und ich glaube, man muss einfach hier gewesen sein, um es genauso zu lieben wie ich..
Bis bald!
Eure Franziska

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